CRM: Analytisch oder operativ?
Customer Relationship Management bedeutet mehr, als die Mitarbeiter in Verkauf und Service mit Computern auszustatten. Wer Erfolg mit CRM haben will, sollte einen geschlossenen Regelkreis aus Datenerhebung und Datenanalyse anstreben.
Der Grundgedanke von CRM ist keinesfalls neu. Die eigene Kundenbasis wird –
ähnlich wie bei der mittlerweile hinlänglich zitierten Tante Emma – als
wichtigste Ressource für Umsatzsteigerung und Unternehmenswachstum betrachtet.
Die Marschroute ist eindeutig: Unternehmen müssen weg von den umkämpften
Massenmärkten mit relativ wenigen standardisierten Produkten hin zu Produkten
und Dienstleistungen, die zielgenau die Bedürfnisse einzelner lukrativer
Kundengruppen erfüllen.
Ein Unternehmen hat eine Vielzahl von Schnittstellen
zu seinen Kunden: Vertrieb, Marketing, Buchhaltung und Kundenservice. Bisher
wurden im Wesentlichen die dahinterstehenden einzelnen Geschäftsprozesse
optimiert. Das Ergebnis waren so genannte operative CRM-Systeme. Sie dienten
etwa der Automatisierung von Vertriebsaktivitäten, dem Management von
Vertriebskanälen für Sales-Forecasts, Database-Marketing und
Call-Center-Anwendungen.
Die Daten, die bei diesen Transaktionen anfallen,
sollten zusammengeführt und analysiert werden. Ziel ist es, die Kunden in ihrer
Gesamtheit zu betrachten, um abteilungsübergreifend Verhaltensmuster zu
identifizieren und daraus Maßnahmen abzuleiten. Dies ist die Aufgabe von so
genannten analytischen CRM-Systemen, die im Wesentlichen auf Data-Mining-Tools
basieren. Unter Data-Mining versteht man das Erkennen von verborgenen Trends,
Mustern und statistischen Zusammenhängen in Daten.
Für den IT-Bereich hat
das analytische CRM eine Umkehr von der bisherigen Praxis zur Konsequenz. Eine
der wesentlichen Ursachen für den Umbruch der DV-Landschaft ist die
Neuausrichtung der Geschäftsprozesse, weg von der produktbezogenen hin zur
kundenbezogenen Sichtweise. Lange Zeit waren bei der Erschließung neuer
Absatzmärkte und der Entwicklung neuer Produkte die Prozesse im Unternehmen auf
den Vertrieb von Produkten ausgerichtet. Das spiegelte sich auch in den
vorhandenen DV-Landschaften wider. So gab es für die einzelnen Produkte
verschiedene Systeme sowohl im Front- als auch im Backoffice-Bereich. Der Kunde
war hier den jeweiligen Produkten zugeordnet.
Heute bewegen sich Unternehmen
in gesättigten Verdrängungsmärkten. Das Produkt spielt zwar noch eine große
Rolle, aber im Zentrum steht die Dienstleistung am Kunden. Zukünftig machen
Unternehmen mit dem Service ihren Hauptumsatz. Demnach wird die Kundenbindung
der Kundenakquise den Rang ablaufen. Diese neue Sicht gilt es in den DV-Systemen
zu berücksichtigen. Die Herausforderung ist, eine DV-Landschaft zu modellieren,
die eine einheitliche und übergreifende Kundensicht zulässt.
Operationales CRM versorgt analytisches mit Daten
Operationales und
analytisches CRM ergänzen sich. Das analytische CRM liefert die Erkenntnisse, um
einzelne CRM-Maßnahmen zu optimieren.
Die operationalen Systeme wiederum versorgen die analytischen mit
immer genaueren Basisdaten. Gemeinsam bilden sie einen geschlossenen Regelkreis,
in dem jede Komponente die andere vorantreibt, der so genannte »Closed Loop«.
Dieser Regelkreis besteht aus folgenden Elementen:
-
Datenbeschaffung
Daten existieren in Unternehmen in unterschiedlichen
Formen. Sie werden in verschiedenen Transaktionsdatenbanken sei es im
Marketing, Vertrieb, in der Rechnungsstelle oder im Kundenservice gesammelt.
Diese Datenquellen wurden aber nur selten dazu entwickelt, die gesammelten
Informationen für zukünftige Geschäftsentscheidungen zu verdichten. Also braucht
man ein Data-Warehouse. Dieses fasst die Daten aus unterschiedlichen Quellen
zusammen, bereitet sie in die für Datenanalyse geeignete Form auf und stellt sie
jedem autorisierten Anwender zur Verfügung.
- Kundenanalyse
Zur
Auswertung kommen Data-Mining-Tools zum Einsatz. Sie geben Auskunft über das
Verhältnis zu unterschiedlichen Kunden über einen längeren Zeitraum hinweg, über
Kundenloyalität, Risikopotenziale, Profitabilität. Der Erfolg: Unternehmen
lernen ihre Kunden besser zu verstehen. Innerhalb einer solchen Architektur
lässt sich die erfolgreiche Beziehung zu den Kunden systematisch ausbauen. Die
Kundenanalyse ist der Grundstein aller weiteren Schritte. Treten hier Fehler
auf, basieren die Folgemaßnahmen auf völlig falschen Annahmen und schaden dem
Unternehmen mehr, als dass sie nutzen.
- Maßnahmen
Die
Analyseergebnisse fließen direkt in das Kampagnenmanagement ein. Hier
entscheidet sich, welche Register zur Kundenansprache gezogen werden. Möglich
wäre etwa, den Kundenkontakt über ein Call-Center, über ein Direct-Mail oder
einen Vermittler herzustellen.
- Permanente Verbesserung
Die
CRM-Fähigkeiten lassen sich kontinuierlich verbessern sowohl bei der
Datenbeschaffung und Kundenanalyse als auch bei der Kundeninteraktion. Möglich
wird dies durch die Rückführung der Ergebnisse über den Kampagnenmanager und die
Bereitstellung dieser Information in den Analysedatenbeständen. Nur wenn die DV
einen solchen Informationsrücklauf anbietet, lässt sich ein funktionierendes
CRM-System aufbauen.
Kundendaten sind der wahre Schatz
Ein
erfolgreiches analytisches CRM-System hängt von mehreren Elementen ab: der
Analyseanwendung, des Datenmodells und der Datenbanktechnologie. Es müssen Daten
aus heterogenen Quellen mit unterschiedlichen Geschäftsregeln und
Namenskonventionen zusammengeführt und vereinheitlicht werden. Hilfreich ist
dabei ein zentraler Metadaten-Katalog, in dem beschrieben ist, um welche Daten
es sich handelt, aus welchen Quellen sie stammen, wie sie modifiziert wurden und
wie sie mit anderen Datenelementen zusammenhängen.
(Erschienen in: acquisa, Ausgabe 12/2000)

