Was Sie schon immer über CRM wissen wollten.
Auch wenn heute alle über Customer Relationship Management reden, wissen doch nur die wenigsten, worauf es wirklich ankommt. Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um CRM.
Warum brauchen Unternehmen CRM?
Da kommen verschiedene Faktoren
zusammen. Einerseits das veränderte Kommunikationsverhalten der Kunden. Egal ob
Privatkunde oder Einkäufer in Unternehmen – sie benutzen immer öfter
verschiedene Kommunikationsmedien. Früher ging alles per Post, danach vieles per
Telefon. Heute wird gefaxt, telefoniert und gemailt. Ab und zu kommt noch ein
normaler Brief rein und der Außendienstler schaut auch noch vorbei. Wenn
Unternehmen dabei noch einen Überblick darüber haben wollen, was einzelne Kunden
über die Produkte wissen, welche Wünsche sie haben und wann sie reklamiert
haben, brauchen sie eine Datenbank. Der zweite Aspekt, der CRM treibt, ist der
steigende Wettbewerb und die immer gleicheren Produkte. Unternehmen können sich
kaum noch über ihre Kernleistungen an sich im Markt positionieren. Stattdessen
bauen sie auf individuelle Angebote, die den Kunden ans Unternehmen binden. Ein
Beispiel: Wenn ein Anbieter von Anzügen bereits meine modischen Vorlieben, meine
Größe, meine Farbwünsche und auch meine preislichen Vorstellungen kennt, kann er
mir passende Angebote machen. Für mich als Kunde ist es sehr bequem, bei diesem
Unternehmen einzukaufen, also bleibe ich dort – auch wenn es beim Wettbewerber
mal ein günstigeres Angebot gibt.
Was versteht man genau unter CRM?
CRM ist ein ganzheitlicher
Ansatz der kundenorientierten Unternehmensführung (siehe auch Grafik rechts).
Für die Praxis bedeutet CRM konkret drei Dinge:
1. Es müssen alle
Abteilungen, die im Unternehmen Kundenkontakt haben, integriert werden. In der
Regel sind das Service, Marketing und Vertrieb. Dabei müssen sämtliche
Kontaktpunkte zum Kunden betrachtet werden, also alle Möglichkeiten, die der
Kunde hat, eine Frage, einen Auftrag oder einen Wunsch an das Unternehmen zu
übermitteln.
2. Außerdem müssen sämtliche Kommunikationskanäle zum Kunden
zusammengeführt werden. In den meisten Fällen sind das Telefon, Fax und E-Mail,
doch in manchen Unternehmen, beispielsweise bei Banken, schicken die Kunden auch
SMS-Nachrichten oder Chatten auf der Website des Unternehmens.
3.
Zusätzlich sollten Kunden und Interessenten nach ihrem Wert für das Unternehmen
klassifiziert und dementsprechend behandelt werden. Das bedeutet nicht, dass
wenig ertragreiche Kunden nicht bedient werden. Sie erhalten – solange es sich
für das Unternehmen rechnet – den Standardservice und Standardangebote.
Persönliche Zusatzservices gibt es jedoch nur für die ertragreichen
Top-Kunden.
Welche Rolle spielt die Software?
Ohne
Software und Kundendatenbank funktioniert CRM nicht. Trotzdem darf man CRM nicht
mit Software gleichsetzen. Wer meint, er kann sein bestehendes Problem,
beispielsweise die schlechte Kundenbindung, lösen, indem er sich eine
CRM-Software kauft, irrt.
Zuerst muss das Problem im Unternehmen betrachtet
werden, dann wird überprüft, ob dieses durch Software (und wenn ja, durch welche
Art?) zu lösen ist. Es gibt keine Software, die pauschal alle Probleme mit dem
Kunden löst.
Was kann eine CRM-Software?
Genau genommen
gibt es keine CRM-Software. Betrachtet man sich den kompletten Ansatz von CRM,
erkennt man verschiedene Bereiche, an denen Softwarelösungen ansetzen.
1. Ein wichtiger Teil ist beispielsweise die Zusammenführung der
Kundendaten und die Analyse dieser Kundendaten. Dazu sind analytische Tools wie
Data-Mining-Software oder OLAP-Tools nötig. Man spricht hier auch von
analytischem CRM (siehe Marktübersicht).
2. Auf der anderen Seite sollten
auch die Mitarbeiter im direkten Kundenkontakt, beispielsweise im Außendienst
oder im Call-Center, mit Kundeninformationen versorgt werden. Sie müssen wissen,
was der Kunde das letzte Mal gekauft hat, wann er bestellt hat und ob
er auch seine Rechnungen bezahlt. Softwarelösungen, die das leisten, nennt man
operatives CRM (siehe Marktübersicht).
3. Und der dritte wichtige Part
betrifft das Management der verschiedenen Kommunikationskanäle, von E-Mail über
Fax bis zum Telefon. Auch hier gibt es mittlerweile verschiedene Lösungen, von
einfachen Unified Messaging-Plattformen bis zu ausgefeilten Systemen, die mit
der Verteilung von E-Mails auch noch Bearbeitungsvorschriften weiterleiten
(siehe Marktübersicht).
Und was ist dann eCRM?
Viele
Softwareanbieter schmücken sich momentan mit dem Kürzel eCRM. Im Prinzip
bedeutet eCRM schlicht die Verknüpfung von CRM mit E-Commerce, E-Business oder
Internettechnologie. Was genau gilt, variiert von Anbieter zu Anbieter. eCRM
kann sich sowohl auf die funktionalen Inhalte als auch auf die technische Basis
einer Software beziehen. Die vier wichtigsten Facetten von eCRM sind:
1.
Individualisierte Kundenansprache mit personalisierten Websites. Der Kunde
erhält genau die Informationen, die seinem Informationsbedürfnis
entsprechen.
2. Einbindung von Partnern: Speziell für Geschäftspartner
und Händler wird ein Extranet aufgebaut. Dort können sich die Händler einloggen
und auf die Unternehmensdaten zugreifen, zum Beispiel direkt Bestellungen
eingeben oder verfolgen, ob Angebote bereits bearbeitet wurden.
3.
Unternehmensportal: Es dient als zentrale Einstiegsadresse ins komplette
Informationssystem und verknüpft verschiedene Anwendungen, zum Beispiel R/3 und
CRM-System. Der Benutzer kann seinen individuellen Bildschirm konfigurieren, auf
dem die Anwendungen erscheinen, die er am häufigsten braucht.
4.
Browser-Technologie: Hier wird die Oberfläche des CRM-Programms wie eine
Internetsite gestaltet. So finden sich beispielsweise Links zur Verknüpfung von
Daten (zum Beispiel die Zuordnung eines Kunden zu einem Projekt) sowie das
Navigieren über eine links angeordnete Leiste.
Treffender als der Begriff
eCRM ist die Bezeichnung »E-Business Relationship Management«. Hierbei handelt
es sich um die so genannten CRM-Lösungen der neuen Generation, die auf einer
vollständig webbasierten Technologie aufsetzen. Sie nutzen das Internet zur
Beziehungspflege, entweder über Kunden- und Serviceportale oder personalisierte
Ansprache auf der Website. In der Regel verfügen sie über ausgefeilte
Analyseinstrumente und können Ergebnisse aus der Datenanalyse sofort in
entsprechende Kampagnen, beispielsweise per E-Mail oder SMS, umsetzen (siehe
Marktübersicht).
Was bedeutet CRM für die Organisation?
Die entscheidende Frage lautet: Wie kann die
Unternehmensorganisation fit für CRM gemacht werden? Leider ist es auch die
Frage, für die es noch keine Lösung gibt. Viele Unternehmen starten mit CRM als
Projekt. Schnell merken sie jedoch, dass Customer Relationship Management
umfassender ist als zuerst angenommen, das Projekt wird breiter und komplexer.
Und es benötigt den Durchgriff auf die operativen Abteilungen im
Unternehmen.
Unternehmen, die sich bereits frühzeitig mit Customer
Relationship Management befasst haben, bemerken jetzt, dass sie in der
tradierten Organisationsstruktur – Vertrieb, neben Marketing und Service - nicht
weiter kommen. Dort werden mutig neue Ansätze ausprobiert. Viele amerikanische
Unternehmen sind beispielsweise von der funktionalen Organisation völlig
weggegangen. Sie stellen sich entlang der Unternehmensprozesse auf und ein so
genannter »Chief Customer Officer« ist auf Vorstandsebene für die Gestaltung und
Verbesserung sämtlicher Kundenbeziehungen verantwortlich.
(Erschienen in: acquisa, Ausgabe 03/2001)